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Voreiliger Kampf um das Zentrum

Gegen viel stärkere Gegner*innen blitzen?

Chess
Es ist Sonntag, einer dieser Tage, an denen die Lichess-Ligen wieder stattfinden. In meinem Fall bedeutet das, dass ich mir wieder überlegen darf, ob ich gegen viel stärkere Spieler*innen blitzen möchte oder lieber nicht. Mein Team ist mittlerweile in so einer hohen Liga, dass die Chance auf Gegner*innen auf meinem Level relativ gering ist. Wechseln möchte ich aber auch nicht!

Von stärkeren Spieler*innen lernen

Ein Vorteil, den eine Partie gegen stärkere Spieler*innen hat? Im Prinzip kann man nichts verlieren. Es mag demotivierend sein, immer zu verlieren, aber gegen stärkere Gegner*innen kann man sich den Verlust nicht wirklich übel nehmen, außer man stellt vielleicht eine Dame einzügig ein. Im Gegenteil kann man aber jede Menge gewinnen! Zum einen kann es natürlich immer mal passieren, dass man einfach gewinnt! Aber selbst, wenn dieser Fall nicht eintritt, ist es eine großartige Übung. Stärkere Gegner*innen haben meist mehr Theoriewissen bezüglich Eröffnungen. So kannst du deine Eröffnung auf Haut und Nieren testen lassen. Sollte es da noch Abschnitte geben, mit denen du dich noch gar nicht so richtig auseinandergesetzt hast, ist da eine gute Chance, dass dein Gegenüber diese Abschnitte findet.

Das Verlieren üben

Ein Gespräch, das ich immer noch viel zu oft führe, dreht sich um die Angst vorm Verlieren oder Fehler zu machen. Die Idee ist, sich mit vielen aufeinanderfolgenden Verlustpartien daran zu gewöhnen, dass man eben verliert. Danach ist jeder Sieg auch noch umso süßer, nicht?

Schnelle Partien kürzen den Horror ab

Gegen stärkere Spieler*innen steigt natürlich auch die Chance, dass man in schlechteren Positionen endet. Damit dieser Horror nicht allzu lange andauert, sind kurze Partien umso netter. Der Horror ist schneller rum und du musst keine weiteren drei Stunden mit der Position rumkriegen. Dafür könnt ihr mehr Blitzpartien spielen und du kannst verschiedene Wege austesten. Gleichzeitig bekommst du stärkere Spieler*innen wahrscheinlich auch eher davon überzeugt, mal 1-2 kurze Spielchen gegen dich zu spielen als eine Langzeitpartie von mehreren Stunden (wenn dies nicht durch ein Turnier erzwungen ist).
Im Rahmen eines Turniers mit Langzeitpartien (Internationale Offene Deutsche Frauenmeisterschaft 2023) habe ich mal gegen WFM Brigitte Von Herman spielen dürfen (müssen?). Während ich aus der Partie auch viel zu meiner Eröffnung lernen durfte, mussten wir beide auch relativ viel Zeit durch die Partie sitzen, was sich bei der Partie auch in einer schnellen Partie hätte abkürzen können, da ich zu dem Zeitpunkt eröffnungstechnisch noch gar nicht so richtig wusste, was ich da tat.

https://lichess.org/broadcast/open-german-womens-championship-2023/round-1/zpr1vZDF/WSJY1pcg#0

Vor Kurzem spielte ich auch beim Itzehoer Open 2025, wo ich in der ersten Runde eine Langzeitpartie gegen einen sehr starken Spieler spielen musste und nach ein paar Zügen klar wurde, dass vor allem einer am Brett wusste, was genau gerade der Plan war:

https://lichess.org/broadcast/itzehoe-open-2025/round-1/jEz8PpJL/slPPGaAf

Robin Keyser ist gerade beispielsweise wieder Hamburger Meister geworden (Herzlichen Glückwunsch!) (Stand: 2025).

Auch von solchen Langzeitpartien lässt sich eine Menge lernen! Schnellere Partien mögen es aber etwas angenehmer machen, gegen so viel stärkere Gegner*innen zu spielen. Aber am Ende ist das Zauberwort so oder so: Spielpraxis.

Partien nachbesprechen

Gerade bei Blitzpartien, bei denen ihr euch gegenübersitzt oder auch vorher dafür abgesprochen habt bei Online-Partien, kannst du die Chance haben, dass dein*e Gegner*in die Partien im Nachhinein mit dir bespricht. Du kannst bei Onlinepartien auch die Notation speichern und die Partie mit einer anderen Person im Nachhinein besprechen. Die Probleme in deinem Aufbau oder deinen Eröffnungen können so nochmal angesehen werden und ihr könnt besprechen, was du das nächste Mal eventuell anders machen könntest.

Blitzpartien gezielt einsetzen

Viele Trainer*innen sind keine großen Fans davon, wenn ihre Schützlinge zu viel blitzen und dafür keine Taktikaufgaben machen, beispielsweise. Es kann dazu führen, dass die Spieler*innen auch bei Langzeitpartien zu schnell ziehen und sich taktisch und strategisch nicht unbedingt verbessern. Beim Blitzen als Training geht es mir persönlich darum, diese Methode gezielt einzusetzen. Ist dein Ziel gerade, deine Eröffnungen zu üben? Oder zu testen, ob deine Eröffnungen auch gegen stärkere Spieler*innen standhalten? Denn kann Blitzen gerade genau das Richtige für dich sein. Geht es dir darum, Taktiken zu üben? Vielleicht helfen da Taktikaufgaben doch mehr!

Also, wer ist dabei und blitzt ein bisschen mit .... natürlich für's Eröffnungstraining?